Hongkong – letzter Beitrag

22. April 2010

Fotos…

Hallo ihr da draußen! Dies ist nun mein letzter Beitrag und ich danke allen, die mich ab und zu hier im Netz besucht haben. Nehmt euch etwas Zeit für diesen Artikel, denn er ist ganz schön lang geworden.

Schon etwas wehmütig saß ich eben noch im Flugzeug, nicht etwa weil meine Reise nun ein Ende hat, schon auch ein wenig deswegen, aber viel mehr, weil Hongkong einfach so geil ist. Meine absolute Traumstadt. Alles was ich an einer asiatischen Großstadt schätzen gelernt hab, ohne den Smog und die Nutten von Bangkok, ohne die strenge Kühle von Singapur und Kuala Lumpur. Riesige Wolkenkratzer, kunterbuntes Nachtleben, freundliche, rücksichtsvolle Menschen, die sich nicht die ganze Zeit wegsaufen und rumpöbeln wenn die Sonne untergeht. Endlose Straßen gefüllt mit Märkten, traumhafte Landschaft ringsherum und mal eben das kommunistische China nebenan, wofür man aber ein Visa beantragen muss, was einige Zeit dauert.

Meine Füße tun ziemlich weh. Ich bin in Hongkong jeden Tag von 12 bis 12 auf den Beinen gewesen und hab mich abenteuerlustig durch die Metropole geschlagen (und das in meinen 20 OZ Dollar Schuhen!).

Als ich nach meinem super gechillten (dank Platz mit Beinfreiheit in der Nähe vom Ausgang) Hinflug von Sydney nach Hongkong in den Bus stieg, 34 Dollar (Hongkong Dollar = 1:10) in einen Schlitz vor den Busfahrer geworfen hatte und mich ans Fenster setzte wusste ich nicht was mich erwartete. Ich hoffte ja einiges, aber was ich allein schon nach einer guten Stunde Busfahrt durch die Nacht und Hongkong zu sehen bekam machte mich sprachlos. Nagut, ich sprech ja eh nicht soviel zu mir selbst, obwohl…, ach sei ruhig!

Alles was ich bisher an großen Städten zu Gesicht bekam, wirkt jetzt, ich muss es leider so sagen, winzig. Auch good old Sydney kann da nicht ansatzweise mithalten.

Weniger groß war dann mein Zimmer, das ich mir von Sydney aus für zwei Tage im Vorraus gebucht hatte. Es befand sich in der Chung King Mansion, direkt an der Hauptstraße im kultigen Kowloon, einer der vier großen Bereiche von Hongkong. Ein großes (sinnlos zu sagen, es gibt eh keine kleinen Gebäude in Hongkong), etwas abgefucktes Gebäude. In der untersten Etage befinden Shops wie ich sie mag. Reisekoffer für 10 Euro, nachgemachte Handys, echte Uhren von Casio und Seiko (hunderte verschiedene, von 20 bis 100 Euro), Maßschneidereien, die dir einen Anzug anfertigen für verhandelbare 80 Tacken und jede Menge billige Klamotten. In den restlichen 18 befinden sich hauptsächlich “Gasthäuser”. Eine Mischung aus Hostel und Hotel (ja, es gibt auch was dazwischen).

Wenn man da also in dieses Gebäude reinmarschiert, kommen leider erstmal jede Menge Leute auf einen zugestürmt und wollen einem ihr Gasthaus aufschwatzen. Abgehärtet durch Thailand für mich nur Kleinkram. Anstatt fies abzuwinken kann man ja auch sagen, dass man einfach nicht will Buddy, dann kommt auch was freundliches zurück. Diese Schnepperei ist mir übrigens nur dort und nirgendwo anders in der Stadt aufgefallen.
Nachdem ich den richtigen Block (C) und den dazugehörigen Fahrstuhl fand, gelang ich zu meinen zwielichtigen, aber im nachhinein korrekten Gastgebern im 16. Stock. Nach dem Geschäftlichen wurde ich dann in Block B, 12. Etage verschleppt. Ich bekam mein Zimmer. Ohne zu übertreiben, unter 4 Quadratmetern inklusive Badezimmer. Das weiß ich deswegen, weil ich mich weder in die eine noch in die andere Richtung komplett austrecken konnte. Aber ich hatte mein eigenes Zimmer und es war verdammt sauber, wurde jeden Tag sauber gemacht inklusive neuem Handtuch. Zudem hatte ich nen Fernseher mit der chinesischen Version von GZSZ und BBC Worldnews und ich hatte sogar nen Aschenbecher, Klima und Ventilator. Das alles kostete mich 20 Euro die Nacht. Klar, ich hätte auch für nen 5er in einem ihrer Schlafsääle pennen können. Diesesmal kam es mir absolut nur auf die Stadt an. Auf Leute, hatte ich keinen Bock. Lenken nur ab.

Und so ging es dann erstmal frisch geduscht auf die Straße. Da ich mir erstmal was gönnen und alles entspannt angehen wollte, suchte ich mir ein Restaurant ein paar Straßen weiter. Danach schlenderte ich noch ein wenig umher und erkämpfte mir den Weg zurück zu  meinem Zimmer.

Die Nacht war nicht sonderlich entspannend. Die nichtabschaltbare Zimmerlüftung machte nervige Geräusche und befreizte mich von erholsamen Schlaf. Trotzdem gings dann euphorisch raus auf die Straße. Als erstes gings in einen 7-Eleven. Diese Läden waren in Thailand sehr billig, in Australien völlig überteuert. Hier war ich neugierig und wurde positiv überrascht. Die Preise ähnelten eher denen in Thailand. Endlich wieder kalten Nescafé trinken bis zum abwinken. Eine Dose umgerechnet 70 Cent, in Thailand waren es 30 Cent, in Australien gabs Eiskaffee erst ab ca. 1,80 Euro. Ebenso die mir bekannten Sandwiches. Die gabs hier fürn Euro, cirka gleichteuer wie in Thailand. Da das die leichteste Form eines Frühstücks war, griff ich zu und machte mich auf den Weg. Ich lief die Nathan Road hinunter, entlang an verschiedenen Museen bis zum Wasser. Dort angekommen konnte ich zum ersten Mal die grandiose Skyline von Hongkong Island bestaunen. Leider machte der dichte Nebel die Aussicht etwas zu nichte. Mir egal, gab es erstmal eine Fotoorgie sondergleichen. Danach gings zum Informationsschalter, der direkt bei den Fähren lag. Ich deckte mich mit allen möglichen Prospekten ein, mit dem Ziel, soviel wie möglich in Hongkong zu sehen. Den restllichen TAg verbrachte ich damit, mit großen Augen durch Kowloon (Teil von Hongkong auf dem Festland) zu laufen. Ich fand die, durch eines der Prospekte empfohlene, Temple Street. In der findet täglich ein Nacht Markt statt. Die Leute fangen so um 18 Uhr an ihre Stände aufzubauen und verabschieden sich gegen 23 Uhr. Zu kaufen gibts das, was man auch erwartet dort kaufen zu können. Von billigen Klamotten, über billige (nachgemachte) Technik, Messer, Ferngläser, I-Phone Nachbauten für 50 Euro, Taschen, Souvenirs ect. Diese Märkte nehmen sich vom Inhalt nichts, findest du sie in Thailand, Malaysia oder auch in den Chinatowns Australiens. Selbst vom Preis her bewegen diese sich auf fast demselben Niveau. Im Gegensatz zu Thailand oder Malaysia wird man dafür hier von niemandem angesprochen oder gar gedrängt etwas zu kaufen. Alle sind völlig entspannt, bis auf die Leute, die hier Technik verkaufen. Die sind dann meist schon etwas agressiver. Sich bloß nicht lautstark für ein Handy oder ein Objektiv interessieren und es dann nicht kaufen. Dadurch erntet man nur abwertende Blicke. Ich kann sagen, egal wie sehr euch diese Technikläden oder Stände anmachen, lasst die Finger davon. Mal abgesehen davon, dass die Technik hier eh nicht billiger ist (man kann handeln), machen alle diese Technikverkäufer keinen besonders seriösen Eindruck.

Was mich an dem Abend faszinierte und nicht mehr losließ waren die Schuhe hier. Da ich leider süchtig nach Schuhen bin konnt ich mich den hier vorherrschenden Reizen nicht entziehen. Durchaus keine Nachgemachten Schuhe, durchaus billig, aber mit seltsamen Produktpaletten, warteten dir Verkäufer hier auf. Neupreis für ein Paar Adidas Schuhe war 50 Euro, jedoch gabs keinen Laden, indem nicht fast alle Schuhe um die Hälfte reduziert waren. Diesen Abend konnt ich mich noch beherrschen. Ich ging zurück zur Chung King Mansion, breitete vor mir alle, von mir eingeholten, Prospekte aus und machte mir einen perfekt durchgestylten Plan. Ich verwarf ihn am Ende des nächsten Tages.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach einem günstigeren Zimmer. Ich arbeitet mich die Etagen hinunter, wurde von dem einen Gasthaus in Block B, zu ihrem Partnergasthaus in Block A geschickt. Dort wartete ich mit ein paar Franzosen auf einen Rezeptionisten. Dieser kam dann im Bademantel und zeigte zerknautscht auf einen Zettel an der Wand. Dieser besagte, das hier erst 12 Uhr mittags aus- oder eingecheckt wird. Belustigt ging ich weiter und traf im 15. Stock des Blockes A auf die Pension von Frau Kam. Diese war nett, zeigte mir ein Zimmer, welches gleich mehrere Vorteil mit sich brachte. Es war billiger (13 Euro), hatte ein Fenster, hatte kein störendes Lüftergeräusch und hatte mehr Platz, weil das Bad außerhalb war. Perfekt. Mein neues zu Hause.

Mein Plan stand. Ich wollte auf die Insel Lantau, den großen sitzenden Buddha anschauen. Da dort keine Fähre hinfährt, ging es mit dem Zug dorthin. Leider ist Lantau sehr eingeschränkt, was ich vorher nicht gedacht hatte. Es gibt nur 2 Wege auf dieser Insel, zurück nach Kowloon, oder hinein in die Insel zu 2 verschiedenen Touristenattraktionen. Man hatte 2 Möglichkeiten, entweder man nimmt den Bus, oder man nimmt die beliebte Gondel. Bei letzterer war die Wartezeit mit 2 Stunden ausgeschrieben, sodass ich den Bus nahm. Vorbei ging es an einsamen, unbewohnten und unbewohnbaren Landschaften, einem Gefängnis, welches im Nichts, eingekesselt zwischen Meer und Wald lag. Ich erreichte den Buddha, schaute ihn mir an, ebenso wie den Tempel gleich nebenan und machte mich wieder vom Acker.

Ich fuhr die gleiche Strecke mit Bus und Bahn zurück, jedoch etwas weiter bis zur Admiralty Station auf Hongkong Island. Ich lief von der Bahnstation gen Innenstadt. Ein großer Teil der Fußgängerwege befindet sich über der Straße. Man läuft sozusagen völlig entspannt durch die Stadt, muss auf keine Ampel warten und hat zudem auchnoch einen tollen Ausblick auf das Leben unter einem.

Auf meinem Plan stand der Peak. Der höchste Aussichtspunkt in Hongkong, mit grandiosem Ausblick. Ich arbeitet mich vor bis zur Peak – Zugstation, immer wieder unterbrochen von wilden Fotoeskapaden und Pausen, die ich mit Halsverrenkungen gen Wolkenkratzer verbrachte. Als ich die Fahrkarte kaufen wollte, wies mich die Verkäuferin enrgisch daraufhin, dass von dort oben vor lauter Nebel nichts zu sehen sei. Das schien mir aufgrund der enormen Leuchtkraft der Gebäude nicht realistisch und ich kaufte sie trotzdem. Mit der “Peaktram” ging es dann extrem steil bergauf. Anfangs beeindruckten die nun schief stehenden Hochhäuser noch neben uns, später beeindruckte nur noch die Dichtheit des Nebels. Ich fuhr die Rolltreppen des Peak Towers hinauf um mich an der Aussicht zu ergötzen, doch ich sah, …, nichts! Nur Nebel, nichts anderes. Hatte zwar auch was Unheimliches ala Silent Hill, versperrte aber einen einmaligen Blick. Ich bahnte mir den Weg zurück nach draußen, vorbei an unzähligen Geschäften in dem Peaktower. Unten angekommen wollte ich eigentlich mit der Bahn zurück fahren. Als ich die Schlange vor der Bahn sah, entschied ich mich ohne Probleme für den Weg zu Fuß. Das sollte ein Abenteuer werden.

Nachdem ich eine zeitlang den falschen Weg entlang gegangen bin, fand ich die “alte Peak Road”. Sie führte in Serpentinen verdammt steil hinunter. So langsam tauchten die majestätischen Hochhäuser im Hintergrund auf, schimmerten erst schwach durch den Nebel, bis sie dich mit ihren tausend hellen Augen anstarrten. Ich war völlig allein auf meinem Weg hinunter in die Stadt. 2 oder 3 mal kam mir jemand mit einem Hund an der Leine entgegen, das wars. Der Weg war anstrengend. Ich begann fürchterlich zu schwitzen, meine Oberschenkel und Füße begannen weh zu tun. Nach gefühlter Ewigkeit stieß ich auf eine Querstraße. Die “Old Peak Road” hörte auf und die neue Straße war noch nicht auf meinem Plan, was mir suggerierte, dass ich noch ein ganzes Stück von der Innenstadt entfernt war. Also ging ich auf gut Glück die Straße entlang. Ich folgte den nächsten Straßen hinunterwärts. Sie waren schmal und leergefegt. Es ging vorbei an gigantischen Hotels, die hier Seite an Seite am Berghang thronten. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, wie auf einem fernen Planeten in der Zukunft. Ich vergaß sogar Fotos zu machen.

Durchgeschwitzt und müde vom marschieren kam ich dann zu einem Schild, welches mich zu einem Weg für Passanten führte. Ein Weg gesäumt von Rolltreppen. Zivilisation kehrte zurück, die Straßen wurden wieder heller und belebter und ich setzte mich erstmal auf eine der Treppen und ruhte mich aus. Rechts neben mir lief die Rolltreppe, die nur nach oben fuhr, links an der Seite gab es kleine Restaurants, zumeist mit Europäern gefüllt. Vor mir der endlose Blick die Treppen hinunter und hinein nach Hongkong. Im Hintergrund ragten die Hochhäuser durch den farbigen Nebel und wachten mit ihren leuchtenden Augen über ihre Einwohner und ich fühlte mich plötzlich so klein.

Nach endlosen Treppenstufen hinab in die City, über kilometerlange Fußgängerbrücken bis hin zum Bahnhof ließ ich, erschöpft von einem großartigen Tag. So sieht das perfekte Stadterlebnis aus. Keine (teure) Tour kann dir das bieten und kein Disneyland kann dich so in seinen Bann ziehen. Mir war klar, aus meinem Plan, den ich mir aus all meinen Prospekten zusammenstellte, würde nichts mehr werden.

Frau Kam und ich kamen ab und zu ins Gespräch. Sie ist wirklich sehr nett und witzig. Sie brachte mir ein paar Worte auf cantonesisch bei und ich versucht eihr ein paar Worte in deutsch einzutrichtern. Sie hatte sich einen Access Point gekauft, da ihr Router allein nicht bis in alle Räume sendet. Ich versuchte ihr zu helfen und war mir auch sicher, dass ich das Problem lösen kann, aber wie das immer so ist mit der Technik, gab ich mich um 2 Uhr nachts geschlagen.

Mittwoch. Ich probierte einen der zwielichtigen Elektronikläden aus. Ich interessierte mich für ein Ultraweitwinkel Objektiv für meine Kamera. Preis in Deutschland wäre cirka 400 – 450 Euro. Ich handelte lange und geübt und landete bei 240 Euro. Ich hatte eines ihrer Vorführobjektive ausprobieren können. Kein Fake, alles echt. Nun gings ums bezahlen. Sie wollten von mir gleich eine Kreditkarte sehen. Ich wollte in Bar bezahlen, musste aber erst noch Geld holen. Nach einiger Zeit hatte ich das Geld und wollte mein Objektiv abholen. Es hieß, komm mal in 2 Stunden wieder, ist noch nicht hier. Im Endeffekt kam das Objektiv nie an. Was hätte ich wohl gemacht, wenn ich gleich mit Karte bezahlt hätte?

Heute war das Wetter schlecht. Es regnete, es war kalt und düster. Zudem war heute Museumstag, Eintritt frei in jedem Museum in Hongkong. Ich besuchte das Museum der Künste und freute mich endlich wieder über Kultur. Danach ging es ins Raumfahrt Museum. Auch das ging in Ordnung. Auch wenn es etwas voll war und überall ungebändigte Kinder umhernervten. Danach lief ich wieder zum Pier und startete die nächste Fotoorgie. Als ich zufrieden war lief ich nordwärts. Ich hatte einen Tip bekommen, wo man was leckeres Essen kann in einer besonderen, filmischen Atmosphäre. Ich durchquerte den “Kowloon Park” und gesellte mich an einen Springbrunnen. Dort gab es ein ziemlich buntes Publikum zu bestaunen. Eine Gruppe von stämmigen Mädchen tanzte zu seltsamer Musik. Hatte was orientalisches, aber auch hundert andere Dinge. Inder unterhielten sich, ältere Chinesen trafen sich zum Essen. Ich ging weiter.

Ich kam zu einem weiteren, viel kleineren Park. Dort gab es mehrere Tisch, an denen es von Leuten nur so wimmelte, die sich um 2 andere Leute scharrten. Diese 2 spielten angestrengt ein Brettspiel, welches ich nicht kenne. Ich besuchte den Tin Hau Tempel gleichnebenan und verlief mich auf der Suche nach dem Ort, von dem ich gehört habe. Ein Rumäne, der schon seit 3 Jahren hier lebt half mir und führte mich netterweise auf den richtigen Weg. Der Ort hieß Kubrick. Es war eine Bibliothek mit einem Café innendrin, indem man auch lecker Essen bestellen konnte. Ich setzte mich ans Fenster, schnappte mir eine Filmzeitschrift und bestellte mir Spaghetti mit Ente. Ich fühlte mich so pudelwohl. In einem Ort zu sein, in dem es nur um Filme geht, angenehm leise und unaufgeregt und dazu schlechtes Wetter. Ich ließ mir Zeit. Danach wollte ich mir in dem Kino gleich nebenan “Das weiße Band” anschauen, leider kam ich zu spät oder es war ausverkauft. Ich habe sie nicht ganz verstanden. Als ich auf dem Rückweg den Park wieder durchqueren wollte fielen mir Straßenhändler auf, die vor ein paar Stunden noch nicht da waren. Sie verkauften rund um den Park Bronzebuddhas, Jadefiguren und Schmuck. An anderen Ständen wurde die Zukunft aus der Hand gelesen. Diese Stände waren seltsamerweise ziemlich gut besucht von, wie es schien, Einheimischen Männern und Frauen. Wieder andere Stände verkauften Sexspielzeuge und auf der Straße gegenüber wurden chinesische Lieder gesungen. Ich kaufte einem der Händler einen 4-gesichtigen Bronzebuddha und ein bronzenen Türklopfer. Wieder habe ich lange und hart verhandelt und hatte richtig Spaß dabei, warscheinlich mehr als der Verkäufer.

Und dann war Donnerstag. Im Bauch kribbelte es schon etwas. Ich war etwas traurig diese fantastische Stadt zu verlassen, andererseits juckte es mich schon, Familie, Freunde und Berlin wiederzusehen.
Auf meiner Liste standen noch das Geschichtsmuseum und das Wissenschaftsmuseum. Leider hatte Letzteres zu, sodass ich mit der Geschichte Hongkongs vorlieb nehmen musste. Diese hat wirklich einiges zu bieten. Sehr anschaulich wurde durch die Geschichte Hongkongs vor, während und nach britischer Herrschaft geleitet. Ich muss sagen, die Museen hier sind nicht sonderlich vollbeladen mit Informationen, diese werden aber immer, egal in welchem Museum, sehr anschaulich nähergebracht. Als ich in einem  kleinen Kino im Museum, in dem ein, zugegebenermaßen, ganz schön schnulziger Film zur Übergabe Hongkongs an China lief, in einer deutschen Zeitung von 97 den Artikel über dieses Ereignis las, lief es mir kalt den Rücken runter. Ich denke man kann das schon mit dem Fall der Berliner Mauer vergleichen. Somit haben wir mit den Leuten hier durchaus etwas gemeinsam.

Danach ging es wieder in mein Lieblingscafe, das Kubrick. Diesmal gab Spaghetti mit knusprigem Huhn. Genauso lecker! Dieses Mal war ich allerdings schlauer und kaufte mir ein Kinoticket, bevor ich ins Cafe ging. Das weiße Band lief nicht mehr. Ich wählte mir einen echten, einheimischen Kinofilm aus. “Crossing Hennessy” Ein süßer Film über das Leben und Lieben von Menschen hier in Hongkong. Es stellte sich als sehr gute Wahl heraus, auch wenn man sich in diesem Kino etwas sehr überwacht fühlte. Alle 5 Minuten schlich einer der Angestellten mit einer Taschenlampe quer durch den Saal. Wahrscheinlich um das Mitfilmen zu verhindern. Davon abgesehen haben sich die 5,50 Euro gelohnt. Man konnte lachen und mitfiebern und feststellen, das es hier tolle Schauspieler gibt, die man sogar von anderen Chinesen unterscheiden kann. Etwas mitgenommen von der Story über Beziehungen , aber dennoch in guter Stimmung schlenderte ich wieder vorbei an dem Markt mit seinen ganzen Händlern. Diesmal ließ ich mich von einem dicken Jadebuddha erweichen. Für meine Großeltern nur das Beste. Was ich bisher nicht tat, musste ich heute abend unbedingt nachholen. Ich fotografierte die Skyline Hongkong Islands bei Nacht. Es war schwierig ohne Objektiv, aber es sprangen tolle Bilder heraus. Danach chillte ich ein letztes Mal bei einer Zigarette am Wasser, prägte mir den Ausblick genau ein und ließ mich ein letztes Mal in meinem Raumwunder ins Bett fallen.

Freitag. Letzter Tag. Klamotten kaufen: Erledigt. Für einfach jeden in der Familie sinnvolle Souvenirs gekauft: Erledigt. Mir selbst doch noch Schuhe gekauft: Erledigt. Mich gebildet und Museen besucht: Erledigt. Chinesisches Essen gegessen und versucht so selten wie möglich zu McDonalds zu gehen: Erledigt. Persönlich zur Hochschule für bildene Kunst gegangen und wegen einem Studium gefragt: Verdammt.

Ich gab meine zwei Rucksäcke bei Frau Kam ab, die sie freundlicherweise in ihr Büro quetschte und machte mich auf den Weg. Auf dem Weg die Treppen hinunter dokumentierte ich noch das Gebäude, in dem ich die letzten 6 Nächte verbrachte und verließ es mit einem mulmigen Gefühl. Der Zug brachte mich nach Hongkong Island. Ich ging zur Honkkong Akademie of Performing Arts. Ich ließ mich in das Büro für werdende Studenten leiten und fragte nach den Vorraussetzungen und Möglichkeiten eines Studiums in der Abteilung Film und Fernsehen. Da ich auf der Internetseite schon in Deutschland gelesen hatte, dass die Schule ihre Internationalität steigern will und immer gerne Leute außerhalb Hongkongs aufnehmen möchte, war ich recht frohen Mutes. Die Dame hinterm Pult nickte auch freundlich, machte mich aber darauf aufmerksam, dass die Bewerbung in Cantonesisch abzugeben ist. Auf meine Frage, wie sie denn ihre internationalen Studenten auf ihre Schule kriegen wollen, konnte sie nur mitleidsvoll die Schultern heben. Schon etwas angepisst verließ ich das Gebäude und machte mich auf den Weg in die Innenstadt. Ich zückte meinen guten alten Stadtplan und suchte mir den Hongkongpark im Westen der Insel aus. Nach einem schier endlosen Weg, entlang der nicht besonders spannenden Hauptstraße erreichte ich eine der grünen Lungen Hongkongs. Anfangs skeptisch, war ich dann doch, nach erreichen des glasklaren und mit Kois und Schildkröten gefüllten Teiches in der Mitte des Parks, zufrieden gestellt. Gleichnebenan war das Teemuseum, welches ich mir ebenfalls ansah. Das ist wirklich einzigartig an Hongkong. Man muss nicht suchen, irgendwann begegnet einem ein Schild, auf dem irgendeine Sehenswürdigkeit, oder eben ein Museum ausgeschildert ist. Man muss nie suchen.

Wieder etwas schlauer verließ ich das Museum und dann den Park. Der Hunger trieb mich auf die Straße. Leider bewegte ich mich im Bankenviertel Hongkongs. Was heißt leider. Meine Kamera lief heiß und mein Genick fing an zu schmerzen. Ich bewegte mich zur Hennessy Street, die Straße, an der sich der Film von gestern hauptsächlich abspielte. Ich suchte verzweifelt zwischen den Massen an Menschen nach irgendetwas Essbarem. Leider war McDoof das Einzige, was ich finden konnte. Ich bestellte mir das BigMäc Menü für zwei Euro und dazu, weil mein unersättliches Gehirn dachte, warum sparen, wenn man für einen Preis, der unter dem eines Menüs in Deutschland liegt, das Menü und dazu noch mehr kriegen kann, Chicken Wings. Ich hasse diese Denkweise an mir. Warum nicht einfach genausoviel Essen wie in einem deutschen McDoof und 3 Euro sparen? Nun warum ich eigentlich überhaupt den Besuch beim Teufel erwähne? Als ich mich setzte, stellte ich fest, dass am Tisch gegenüber die Schauspielerin saß, die die Tante der Hauptfigur verkörperte, saß. Kurios.

Ich fuhr rüber nach Kowloon, um das Wissenschaftsmuseum zu besuchen, dass letztens geschlossen war. Es war gegen 18 Uhr. Mein Flieger würde kurz nach 23 Uhr gehen. Müsste passen. Ich zahlte den ungewöhnlichen Wucherpreis von 3,50 Euro, schaute mir ausgestopfte Tiere in der Spezialausstellung an und arbeitet mich Etage für Etage hinauf durch die permanenten Austellungen. Es ging zumeist um technische, praktisch anwendbare Spielereien, die zusammen mit den ganzen Kindern das Museum in einen Kindergarten verwandelten. Da fühlt man sich schon alt, wenn man, umgeben von Knirpsen allein und mit Vollbart (Ladegerät vom Rasierer war im geklauten Rucksack) durch den Spiegelsaal läuft und über lustige perspektivisch Veränderte Spiegelbilder seiner selbst schmunzeln muss. In der fünften Etage war ich dann fast alleine. Wahrscheinlich kommen kleine Kinder mit optischen Tricks nicht klar oder interessieren sich nicht für Elektrizität. Ich war fasziniert und stand brav vor jedem Bild, um den optischen Trick herauszufinden oder mein Hirn zu täuschen indem ich mit meinem Kopf Kreisbewegungen vor einer aufgemalten Spirale ausführte. Dann erklang ein Gong und eine männliche Stimme teilte mit, dass in ein paar Minuten, die größte Maschine Hongkongs in Betrieb genommen würde. Das war also das Ding, welches sich von der einen Seite des Kellers, 5 Etagen hoch, auf die andere Seite und wieder hinab schlängelte. Es begann. Mehrere (Bowling-) Kugeln wurden auf Knopfdruck nach oben transportiert und dann sich selbst überlassen. Sie rollten dann über immer andere Wege und über klingende Hindernisse auf die eine Seite, dann hinunter und wieder zum Anfang. Faszinierend, wie die Wege der Kugeln sich immer änderten. Ich hätte mir das noch stundenlang anschauen können, nur leider drückte jetzt die Zeit.

Ich machte mich aufgeregt auf den Weg zu Frau Kam. Ich bedankte mich bei ihr, freute mich für sie, dass ihr Accesspoint endlich funktionierte, machte noch Fotos von uns Beiden und verabschiedete mich. Schwer bepackt, mit der Bequemlichkeit eines 5 Dollar Rucksacks, hechelte ich auf die andere Straßen seite und sprang in den nächsten Bus der Linie 21. Nun war eine Stunde entspannen angesagt. Es war schon dunkel. Die Stadt zeigte ihr wunderschönes leuchtendes Gesicht und ich hatte Zeit über die vergangenen Monate nachzudenken. Über die Menschen, die ich kennen lernte, über die, die ich wiedersehen will, über die atemberaubenden Landschaften in Asien und Australien, über meine Zeit mit und ohne Alina.

Auf sechs Flügen legte ich zusammen 34700 Kilometer zurück. Ich bin insgesamt ziemlich genau 3550 Kilometer mit Bus, Bahn und Fähre (Taxi und Tuk Tuk nicht eingerechnet) durch Asien gefahren. Ich habe mich mit meinem Jeep cirka 7100 Kilometer durch Australien geschleppt und etwa 4000 Kilometer in dem Auto eines Freundes verbracht. Ich tankte knapp 1000 Liter Benzin und bezahlte dafür cirka 1250 Australische Dollar. Ich wurde 6 mal von der Polizei angehalten, 4 mal war ich nicht angeschnallt, wollte einen U-Turn machen wo es nicht erlaubt war, musste 2 mal pusten, einen Speicheltest abgeben und 1 mal wurde das Auto grob nach Drogen untersucht. Ich musste nie etwas bezahlen. Ich leistete mir drei Strafzettel wegen Falschparkens, wovon ich einen bezahlte. Ich musste sechs mal in die Werkstatt, was mich insgesamt genau 2595 Dollar kostete. Zudem wurde ich beklaut. Insgesamt verlor ich 550 Dollar Casino, arbeitete einen Tag als Zwiebelpflücker, an dem ich 35 Dollar verdiente und 6 Tage als Orangenpflücker, wo mir das Geld, 200 Dollar, nie überwiesen wurde. Ich wurde von einer Schlange angefallen, war eine halbe Stunde im Krankenhaus und hätte eigentlich einmal zum Zahnarzt gemusst.

In Thailand verbrachte ich mehr als einen Tag Zeit mit sieben Menschen aus 3 verschiedenen Ländern. In Australien waren es sehr viele. Kathrin, Frank, Renaud und Pietro werde ich wiedersehen.

Die Lichter der Hochhäuser hören auf dich anzustarren und blinzeln nur noch müde aus der Ferne herüber. Der Ausgang kommt näher. Ich gebe meine letzten 64 Hongkong Dollar für eine leckere Nudelsuppe mit gebackenem Hühnchen aus, rauche die letzte Zigarette für die nächsten 18 Stunden in einem kleinem Raum im Flughafen , eingepfercht mit zwanzig anderen. Ich steig ins Flugzeug, mein Kopf ist klar wie schon lange nicht mehr. Das Flugzeug startet. Ich sehe die Lichter der Metropole ein letztes Mal bevor der Nebel sie mir wieder weg nimmt. Meine Mundwinkel steigen leicht in die Höhe, denn ich freue mich auf zu Hause, und allem was dazu gehört.

Um Mitternacht startet das Unterhaltungsprogramm des Flugzeuges, ich wähle den Film “A Serious Man” und lehne mich zurück.

Good Night OZ

03. April 2010
Nach Tagen des Wartens, des im Auto B¸cher lesens und Playstation zockens war es nun vor 3 Tagen endlich soweit. Ich bin mein Auto, oder was davon ¸brig geblieben ist, losgeworden. 2100 Dollar hab ich noch bekommen. Ein schlitzohriger Israeli hat sich erbarmt, jedoch hart verhandelt. Nach erbarmungslos langer Probefahrt und gleichzeitigen Anfahrung der Autoummeldestelle, dr¸ckte er mir endlich die Kohle in die Hand, ich packte meine sieben Sachen und grinste mir einen, w‰hrend ich bepackt wie ein Esel im Zug zur¸ck nach Kings Cross stand. Endlich frei! Endlich nicht mehr wie ein Penner auf der Strafle (zugegebenermaflen zwar auf der Strafle, aber in meinem supergem¸tlichen Doppelbett) schlafen und mich jeden morgend in irgendein Hostel schleichen um zu duschen, um dann den Rest des Tages zu versuchen mich besch‰ftigt zu halten, um dann bei Dunkelheit mich ins Auto zu verkriechen. Genial. Das mir bekannte Travellers Rest Hostel angesteuert, in dem es zwar nach K‰sef¸flen riecht, aber sehr gem¸tlich ist, 2 Tage gebucht und beim K‰ffchen eine im Innenhof gepafft. Danach Lea und Sina, 2 M‰dels aus Stuttgart, die ich zusammen mit Frank auf der Strafle beim Auto verhˆkern kennen lernte, bescheid gesagt, dass diesen Abend nun mal gefeiert wird und direkt einen abartig billigen Goon (wers immer noch nicht weifl, abscheulicher Wein im 4 Liter Tetrapak) gekauft. Gegen 10 wurde in deren Hostel getroffen, mit lauten Engl‰ndern und 2 anderen Deutschen getrunken und gegen Mitternacht gings dann zum Abschluss nochmal in die gute alte World Bar. Voll und laut wie immer wurde dann bis fr¸h ged‰nzt. Hab mich lange nich mehr so befreit gef¸hlt wie an diesem Abend. Ich verabschiedete mich von den Leutchen, deren Flieger ging ein paar Stunden sp‰ter, wachte morgens vˆllig zufrieden, aber mit Kater, auf.
Zum ersten Mal f¸hlte ich mich hier in Sydney wie ein gewˆhnlicher Tourist. Ich schnappte mir einen Plan von Sydney an der Rezeption, ganz unauff‰llig, damit auch ja keiner denkt, ich bin neu hier, obwohl ich hier um die 2 bis 3 Monate verbracht habe, und kreuzte s‰mtliche Sehensw¸rdigkeiten an, die ich mir vor meinem glorreichen Abflug noch geben wollte. So gings dann nacheinander in die Art Gallery of NSW (kann ich empfehlen, ist kostenlos), in das NSW Regierungsgeb‰ude (denke ich zumindest dass es das war), ins Casino (wahrscheinlich wollte mein inneres ich nochmal versuchen meine Laune zu verderben, hats auch geschafft), am n‰chsten Tag wieder voller Tatendrang 250 Meter hoch auf den Sydney Tower, 153 Fotos sp‰ter wieder hinunter, ins Rathaus (der Besuch beschr‰nkt sich auf ein 1 mal 1 Meter groflen betretbaren Bereich), ins schˆn teure und schˆne Aquarium, zu “Clash of the Titans” (einer der schlechtesten und eindeutig nur zum Geld verdienen durch Doofies wie mich gemachte Film aller Zeiten), ins abgefahrene Museum of Contemporary Arts (mein zweiter Besuch). Ein Marathon. Ich w¸rde gerne mal die Kilometer nachz‰hlen, die mein armer Kˆrper zu laufen hatte.
Meine letzte Station war Paddys Market in Chinatown, um noch rechtzeitig Souvenirs zu ergattern, was jedoch in einem halben Nervenzusammenbruch geendet ist. Also liebe Verwandtschaft, bitte nicht bˆse sein, wenn es nix von diesem Souvenir-Schrott nach Deutschland schaffen wird.
Nach letztmaligen abh‰ngen im Botanischen Garten, bei Sonnenschein und Blick auf die Oper, gings an die letzten organisatorischen Dinge. Nun werd ich meine W‰sche abh‰ngen, packen (durch die Klauerei bin ich erstaunlich leicht bepackt), und nochmal Sydney Smog einatmen.
Morgen, am dritten April, gehts nach Hongkong. Auch da bin ich nur Tourist und ich freue mich schon sehr darauf. Ebenso freue ich mich auf den Duty Free Shop im Flughafen;) Dort kann ich mir 10 mal soviel Tabak kaufen, wie ich hier in OZ kˆnnte und auch tun musste.
Die n‰chste Mail kommt aus Hongkong!
Bis demn‰chst!

Nach Tagen des Wartens, des im Auto Bücher lesens und Playstation zockens war es nun vor 3 Tagen endlich soweit. Ich bin mein Auto, oder was davon übrig geblieben ist, losgeworden. 2100 Dollar hab ich noch bekommen. Ein schlitzohriger Israeli hat sich erbarmt, jedoch hart verhandelt. Nach erbarmungslos langer Probefahrt und gleichzeitigen Anfahrung der Autoummeldestelle, drückte er mir endlich die Kohle in die Hand, ich packte meine sieben Sachen und grinste mir einen, während ich bepackt wie ein Esel im Zug zurück nach Kings Cross stand. Endlich frei! Endlich nicht mehr wie ein Penner auf der Straße (zugegebenermaflen zwar auf der Straße, aber in meinem supergemütlichen Doppelbett) schlafen und mich jeden morgend in irgendein Hostel schleichen um zu duschen, um dann den Rest des Tages zu versuchen mich beschäftigt zu halten, um dann bei Dunkelheit mich ins Auto zu verkriechen. Genial. Das mir bekannte Travellers Rest Hostel angesteuert, in dem es zwar nach Käsefüßen riecht, aber sehr gemütlich ist, 2 Tage gebucht und beim Käffchen eine im Innenhof gepafft. Danach Lea und Sina, 2 Mädels aus Stuttgart, die ich zusammen mit Frank auf der Straße beim Auto verhökern kennenlernte, bescheid gesagt, dass diesen Abend nun mal gefeiert wird und direkt einen abartig billigen Goon (wers immer noch nicht weifl, abscheulicher Wein im 4 Liter Tetrapak) gekauft. Gegen 10 wurde in deren Hostel getroffen, mit lauten Engländern und 2 anderen Deutschen getrunken und gegen Mitternacht gings dann zum Abschluss nochmal in die gute alte World Bar. Voll und laut wie immer wurde dann bis früh gedänzt. Hab mich lange nich mehr so befreit gefühlt wie an diesem Abend. Ich verabschiedete mich von den Leutchen, deren Flieger ging ein paar Stunden später, wachte morgens völlig zufrieden, aber mit Kater, auf.

Zum ersten Mal fühlte ich mich hier in Sydney wie ein gewöhnlicher Tourist. Ich schnappte mir einen Plan von Sydney an der Rezeption, ganz unauffällig, damit auch ja keiner denkt, ich bin neu hier, obwohl ich hier um die 2 bis 3 Monate verbracht habe, und kreuzte sämtliche Sehenswürdigkeiten an, die ich mir vor meinem glorreichen Abflug noch geben wollte. So gings dann nacheinander in die Art Gallery of NSW (kann ich empfehlen, ist kostenlos), in das NSW Regierungsgebäude (denke ich zumindest dass es das war), ins Casino (wahrscheinlich wollte mein inneres ich nochmal versuchen meine Laune zu verderben, hats auch geschafft), am nächsten Tag wieder voller Tatendrang 250 Meter hoch auf den Sydney Tower, 153 Fotos später wieder hinunter, ins Rathaus (der Besuch beschränkt sich auf ein 1 mal 1 Meter groflen betretbaren Bereich), ins schön teure und schöne Aquarium, zu “Clash of the Titans” (einer der schlechtesten und eindeutig nur zum Geld verdienen durch Doofies wie mich gemachte Film aller Zeiten), ins abgefahrene Museum of Contemporary Arts (mein zweiter Besuch). Ein Marathon. Ich würde gerne mal die Kilometer nachzählen, die mein armer Körper zu laufen hatte.

Meine letzte Station war Paddys Market in Chinatown, um noch rechtzeitig Souvenirs zu ergattern, was jedoch in einem halben Nervenzusammenbruch geendet ist. Also liebe Verwandtschaft, bitte nicht böse sein, wenn es nix von diesem Souvenir-Schrott nach Deutschland schaffen wird.

Nach letztmaligen abhängen im Botanischen Garten, bei Sonnenschein und Blick auf die Oper, gings an die letzten organisatorischen Dinge. Nun werd ich meine Wäsche abhängen, packen (durch die Klauerei bin ich erstaunlich leicht bepackt), und nochmal Sydney Smog einatmen.

Morgen, am dritten April, gehts nach Hongkong. Auch da bin ich nur Tourist und ich freue mich schon sehr darauf. Ebenso freue ich mich auf den Duty Free Shop im Flughafen;) Dort kann ich mir 10 mal soviel Tabak kaufen, wie ich hier in OZ kˆnnte und auch tun musste.

Die nächste Mail kommt aus Hongkong!

Bis demnächst!

Verlängerung

25. März 2010

16.03. – 25.03.2010

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10 Tage sind vergangen und wieder ist einiges passiert, manches hat sich jedoch nicht verändert. Mein Auto steht noch in der Brougham Street, meine Flyer hängen immer noch in so ziemlich allen Hostels herum, alle 2 Tage von mir aufgefrischt. Der Preis ist nun schon bei 3500 Dollares angekommen und die Dusche im Original Backpacker Hostel kennt schon meinen Namen.

Wie ihr wisst, bin ich mit den 2 Sachsen Frank und Hagen in Frank’s Auto in die Blue Mountains gefahren. Durchaus ein Wechselbad der Gefühle. Insgesamt waren wir 4 Tage unterwegs. Die ersten 2 Nächte waren wir aus Kostengründen Zelten, was für meinen Magen zum Verhängnis wurde, da es mir am dritten Tag nicht mehr gut ging. Geplagt von Bauchschmerzen war der Abend des 3. Tages für mich gelaufen. Schuld war die bittere Kälte in den Bergen und das nicht Vorhandensein eines Schlafsackes.

Am ersten Tag wollten wir direkt eine von mir aus Erfahrung empfohlene Wanderung in Angriff nehmen, was daran gescheitert ist, dass Frank einen dicken Fuß hatte und Hagen für soetwas anscheinend generell nicht zu haben ist. Enttäuschend für mich, ich konnte mich dafür am dritten Tag rächen;) Geschlafen wurde im Wald auf einem Aussichtspunkt. Geweckt wurden wir von einer Horde echter Australier, jedenfalls würde man sie sich genauso vorstellen, wäre man noch nicht hier gewesen. Ein dutzend, große, kräftige und langbärtige, “How is it going mate?” grüßende Männer, die große Steinbrocken von einer Straßenseite zur anderen trugen, rollten oder warfen. Später an diesem Tag gings an einen See in Lithgow, eine Stunde nördlich. Dort gabs einen sehr günstigen Campingplatz auf dem wir es uns gemütlich machten. Wir genossen die, durchaus heiße Nachmittagssonne am See und entspannten. Die Nacht war die Hölle. Gefühlte Minusgrade machten mir zu schaffen. Eingekleidet in 3 T-Shirts, 2 Pullover und meine Regenjacke, dazu noch zugedeckt mit meinem Bettlacken und unter mir eine Isomatte. Half alles nix. Mit Hoffnung auf Besserung setzte ich mich in Franks Auto, der eingelullt in seinen Schlafsack und 2 dicke Decken wie ein Baby schlief. So sieht Kameradschaft aus. Ich zitterte mir einen ab und hoffte nur, dass die erlösende Sonne endlich aufgeht. Dann ging sie auf, ich brauchte einige Zeit im Licht aufzutauen. Da gings dann auch schon mit meinem Bauch los. Wir entschieden der Kälte zu entfliehen und die nächste Nacht im Hostel einzubuchen.

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Wir fanden das “Cecils” in Katoomba, ein wahnsinnig gutes Hostel. Augenscheinlich ein altes Restaurant. Gefrühstückt wurde dann sozusagen im Restaurant mit Nutzung der riesigen Restaurantküche. Unser eigenes 3 Bettzimmer stand uns dort genauso zu, wie Billard und Tischtennis. Ich legte mich nach dem Frühstück aufs Ohr, wurde von den anderen Beiden 2 Stunden später aus meinem wohltuenden Tiefschlaf gerissen mit der Begründung, dass unten 2 Däninen angekommen seien. Juhu, hab genug von Däninen. Den Rest des Abends wurde auf der Couch vorm Fernseher gechillt und Mimic 2 geschaut. Am nächsten Morgen wollten die Beiden, eigentlich nur Frank, nochmal wandern gehen. Ich konnte nicht und gab mir ein paar Seiten meines aktuellen Buches. Das Parfüm, nie wieder lese ich ein Buch, nachdem ich den Film gesehen hab. Dann gings wieder nach Sydney. Bei meinem Auto, welches noch  artig auf der Straße fiel mir dann etwas an meiner Fahrertür auf. Sie war unverschlossen. Ich hatte jedoch beide Schlüssel an mir und ich war mir 105 Prozent sicher, dass ich alles verschlossen hinterlassen hatte. Das kleinere, eindrückbare Fenster an der Fahrertür war ein kleinen Spalt offen und mir schwante Übles. Auf den ersten Blick fehlte nichts, auf den zweiten fehlte mein blauer großer Rucksack, gefüllt mit sämtlichen Ladegeräten, meinen Souvenirs aus Thailand, Kuala Lumpur und Singapur, mein abgebrochener Stein vom Uluru, meinen getrockneten Spinnen, mein graviertes Zippo und was weiß ich noch alles. Ich nahms mit Fassung, bin langsam Einiges gewohnt.

Seitdem wohnen wir in zwei Autos auf der Straße. Zwei alte Bekannte bereicherten unsere Kings Cross Straßen Kommune. Der Schwede Joachim und Guddel sind ebenfalls in Sydney aufgeschlagen. Hagen schlief ein paar Tage mit bei mir und Guddel bei Frank. Joachim schlief im Hostel, war trotzdem jeden Tag bei uns. Der Italiener Pietro verabschiedete sich nach Thailand am 20. März, Guddel und Hagen flogen gestern gemeinsam nach Cairns um Freunde von ihm zu treffen und um auf einer Bananenfarm zu arbeiten. So blieben nur Frank und ich zurück. Frank wird am Sonntag aufbrechen in die Nähe von Griffith. Er hat einen guten Job als Traktorfahrer gefunden.

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Vor 2 Tagen hatte sich doch mal jemand dazu durchzuringen, sich für mein Auto zu interessieren. 2 Briten schlichen skeptisch um meinen Jeep. Als ich die Beiden von meinem generalüberholten Motor überzeugen wollte, spring die Karre nicht an. Batterie war total runter, ohne Anzeichen warum. Das wars mit der Kundschaft. Eine völlig unfassbare Situation. Ich fahre fast täglich umher, das Licht war aus, ser Schlüssel nicht in der Zündung. Seitdem ich die Batterie wieder geladen hatte funktioniert wieder alles normal. Unsere Theorie schwankt zwischen der Liebe des Autos zu mir, des Nicht-den-Besitzer-Wechseln-Wollens und der zweiten, möglicherweise realistischeren Möglichkeit: Das Auto will einfach in Ruhe sterben. Keine Reparaturen mehr, keine Touren durch Australien mehr.

So langsam nähert sich mein Gemüt der Schmerzgrenze. Zuviele Dinge treiben mich zurück nach Deutschland. Neuseeland wird nichts mehr, zum einen werde ich das Auto sicher nicht vor dem Abflug verkaufen können, zum anderen kann ich es mir auch gar nicht mehr leisten. Davon mal abgesehen ertrag ich die relative Nähe zu Alina eh nicht und ich bin sicherlich erheblich erleichtert, wenn ich mich wieder auf der anderen Seite des Erdballs befinde.
Meine restliche Reise wird sich auf Sydney und 1 oder vielleicht 2 Wochen Hongkong beschränken. Reine Schadensbegrenzung.

So jetzt drückt mir doch verdammt nochmal jemand die Daumen, dass ich die Karre loswerde und endlich von dem verflixten Kontinent fliehen kann.

Grüße in die Heimat und bis nächste Woche!!

Fotos der letzten Wochen…

Auf heißen Kohlen

15. März 2010

04.03. – 15.03.2010

Mein Auto ist nun in der Werkstatt. Leider hab ich mich nicht so glücklich angestellt, denn der Chef Rudy ist ein zwielichtiger Italiener, der mir die ganze Zeit nur Märchen erzählt. Die Rechnung wird immer dicker und der Werkstattaufenthalt immer länger. Nun will ich mal nich meckern über diese SCHEISSE, denn ich blicke vorraus auf den Autoverkauf, der in den nächsten 2 Wochen über die Bühne gehen muss und über meinen Flug nach Neuseeland am 1. April. Solange muss ich mir hier einen ab-chillen.

Die letzten Tage waren, sag ich mal, ganz gemütlich. Zusammen mit Maria bewohne ich ein günstiges Doppelzimmer in Assi-KingsKross. Wir sind die ganze Zeit damit beschäftigt umherzulaufen, ins Kino zu gehen und uns Filme reinzuziehen. Jeden Tag wird ordentlich ausgeschlafen und das Housekeeping nach Hause geschickt. Vorgestern gabs “Wolfman” im Kino (was für eine Enttäuschung!!!), vor einer Woche hab ich es dann doch noch geschafft mir Avatar anzuschauen. Wobei ich sagen muss, dass der Film als solcher echt nix besonderes ist, die Effekte und der 3D Effekt aber wirklich spitze sind. Oscars zurecht für “The Hurt Locker”!

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Letztens waren wir im monströsen Centenials Park. Noch viel größer als der Botanische Garten, kann man sich dort wirklich gut verlaufen. Dort war auch die “Taste” Veranstaltung, ein Restaurant Festival, wenn man das so sagen kann. Leider wurde die Kundschaft schon am Eingang separiert. Eintritt: 30 Dollar und das Essen kostet ja dann auch noch was. Schade. Vorgestern hab ich mit Pietro bei seinem Kumpel Lorenzo übernachtet. Der wohnt dort in dem Haus von Freunden seiner Eltern. Ziemlich reiche Freunde, wie es scheint. Ein monströses, super chic eingerichtetes Haus auf einer Anhöhe mit fantastischem Blick auf den Bronte Beach. Dort konnte ich, durch Plünderung der Spirituosenvorräte, auch endlich wieder, nach Thailand, einen Whisky genießen. Dann gabs noch “Hot Fuzz” als Filmchen zum Einschlafen. Morgens hab ich dann auf dem Baugerüst vom frisch renovierten Balkon gesessen, und mit Blick auf den Strand ein Käffchen getrunken. Ja, so lässts sich leben;) Zurück in meinem wahren zu Hause verbrachte ich meine Zeit mit warten. Rudy tat gut daran, die Fertigstellung meines Autos immer weiter herauszuzögern. Am Samstag abend um 7 Uhr war es dann endlich soweit. Ich konnte mein Auto abholen. Vorher gabs kleinere Diskussionen und mal wieder Geschichten aus Italien. Nebenbei hat er mir noch sein High-Tech Geländewagen und seine Munition für seine Gewehre gezeigt. Da weiß man worin man hier investiert. Naja, der Motor läuft erstaunlich gut und leise, mehr kann ich nicht verlangen. Mit 1700 Dollar war es dann auch nicht gerade billig. Nun geht es an die Schadensbegrenzung, sprich den Verkauf des Autos. Gestern habe ich in so ziemlich jedem Hostel meine Auto-Flyer verteilt, auch auf den Ampelmasten und ebenso im Internet Anzeigen geschaltet. Vielmehr kann ich nun nicht mehr machen, außer ab und zu die Flyer checken und aktualisieren, bald mit dem Preis runtergehen und einfach hoffen, dass irgendjemand dieses Auto kaufen will. Die Zeit rennt, ich hab noch 2 Wochen, nicht viel, wenn man bedenkt, dass so manch einer 5 oder 6 Wochen wartet, ehe er sein Auto los wird. Gestern abend wurde mit Frank, der aus Adelaide hergefahren ist, da er noch immer auf seinen Arbeitseinsatz wartet, und dem Neuen in meinem Bekanntenkreis, Hagen (Oh man, 2 Sachsen!!!;)), nochmal ordentlich gefeiert. Einzelheiten nur auf Anfrage.
Maria ist heute auf nach Dänemark. Der Abschied war nicht so herzlich, da wir uns am gestrigen Tag etwas angemault haben. Mir auch egal;) Da der Frank seine Zeit hier nutzen will und heute in die Blue Mountains fährt und ich, obwohl ich dort schon war, nix Besseres zu tun habe, schließe ich mich ihm und besagtem Hagen an. Die nächsten 3 Tage gehts wieder ans Wandern, endlich wieder aktiv! In 1 Stunde gehts los, ich wünsche euch wärmere Temperaturen und mehr Sonne und man sieht sich ja bald!

See Ya!!

Alice Springs – Nachtrag

13. März 2010

20.02. – 26.02.2010

So ihr Lieben daheim, hier der Nachtrag zum Alice Springs Trip. Nach einer guten Stunde Schlaf trafen wir uns alle vor meinem Hostel. Ich nahm nur das wichtigste mit und ließ den restlichen Kram in meinem Pajero zurück. Trotzdem staunte ich nicht schlecht, wie wir das Gepäck von 4 Leuten in Franks relativ kleinem Auto verstauten.

Fertig bepackt gings dann erstmal mit Franks Auto und meiner Mühle zu Marks Haus, wo ich den Weißen sicher im Hinterhof parken konnte. Noch schnell meinen 25 Liter Wasserkanister in Franks Auto gequetschtgings dann auf unseren 4000 Kilometer-Trip Richtung Norden. Man stelle sich vor, das ist wie Deutschland von der Nordspitze bis zum südlichsten Punkt, 4 mal. Am ersten Tag schrubten wir um die 400 Kilometer und übernachteten auf einem einsamen Campingplatz mitten im fast Nichts. Am nächsten Tag erreichten wir cirka 300 Kilometer weiter die Opalstadt Coper Pedi. Ein wirklich mal surrealer Ort. Kilometer vor der Stadt fangen in der kahlen Wüste links und rechts vom Highway Sandhaufen an aufzutauchen. Tausende verlassener, aufgegebener Orte, an denen von vielen, vom Reichtum träumenden Australischen Seelen nach den, mal mehr, mal weniger wertvollen Opalen gesucht wurde. Im eigentlichen Ort angekommen macht sich der Gedanke breit, auf einem heißen, unwirtlichen Planeten gelandet zu sein, zumal, wenn man das Raumschiff aus dem Streifen Pitchblack erblickt.

DSC07290 (Small)Die Stadt ist zumeist nicht in die Höhe gebaut, sondern in die andere Richtung. Aufgrund der ganzjährigen Hitze wird verständlicherweise lieber in den kühlen Gefilden 10 Meter unter der Erde geschlafen. Unser Hostel, in das wir uns aufmachten, stellte unsere Betten ebenfalls unterirdisch bereit. Besser gesagt, wir schliefen in einer alten, ausgebauten Miene. Die Räume hatten keine Türen, sodass man sich nie alleine fühlen musste. Nach Mittagessen und einem Päuschen, um die extreme Sonne ziehen zu lassen, ging es dann auf, ein paar Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Ich als Filmheini war natürlich total scharf darauf den Drehort von Filmen wie Mad Max oder Red Planet zu sehen, und so wurde die Truppe motiviert 20 Kilometer über Stock und Stein zum absolut beeindruckenden Moon Plain zu gelangen. So muss es auf dem Mars aussehen. Flache, trockene Erde soweit das Auge sehen kann, vereinzelt scharfkantige Steine und am Horizont kahl aufstrebende Berge. Scharf! Nebenbei schauten wir uns den mit 5600 Kilometern längsten Maschendrahtzaun der Welt an.

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Der sogenannte Dog Fence hält die Dingos davon ab, ins von Menschen besiedelte Gebiet einzudringen. Weiter gings zu einer Untergrundkirche und zu einer Außen-Kunstgalerie. War schon etwas krankes Zeug, was der Mensch dort zusammengebastelt hat, aber die Pitch Black Kulissen konnten überzeugen, jedenfalls mich. Natürlich hatten wir uns auch das Raumschiff genauer vorgenommen, wie es traurig zwischen einem Hostel und öffentlichen Toiletten stand. Eine tolle Arbeit der Filmemacher. So überzeugend passt es in diese triste Wüstenlandschaft, so detailiert ist es gestaltet. Ich hätte ja mal gefragt ob ich ne Runde drehen darf, wäre es nicht so verdammt hohl gewesen. Also das Schiff, nicht die Absicht zu fragen;) Kurioserweise fing es dann abends an zu regnen. Faszinierend hier in der Wüste. Am nächsten Tag ging es dann zum Hauptziel, den Uluru. Wir starteten im Morgengrauen, ich war der Fahrer und war auch der einzige, der auf unserem Trip scharf bremsen musste, um nicht eines der Kängurus zu plätten. Nach jeder Menge Kilometer erreichten wir den Uluru Nationalpark. Wir entschieden uns, nachdem jeder 25 Dollar für ein 3 Tages Ticket hinblättern musste, erstmal mit den Olgas vorlieb zu nehmen und uns dann den Uluru im Sonnenuntergang anzuschauen. Die Olgas ragen, ähnlich wie der Uluru, wie riesige Steine aus dem roten Wüstensand hervor. Die Olgas bestehen dabei aber aus mehreren Erhöhungen und sind wohl nicht minder beeindruckend. Nach einem kurzen Trip zwischen die roten Felsen gings zum Sonnenuntergang, der schön, aber nicht so magisch war wie gedacht. Auf der Suche nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit scheiterten wir grandios und fuhren 80 Kilometer weiter zu einem freien Campingplatz. Am nächsten morgen wurden wir von einem ziemlich großen Vogel geweckt, der neugierig um unsere Zelte schlich und mir das Gefühl gab einen Abstecher in den Jurassic Park gemacht zu haben.

DSC07543 (Small)Unser Ziel hieß Uluru. Also ging es wieder in den Nationalpark und wir nahmen uns die lange, 10 Kilometer andauernde, Tour vor. Ist schon ziemlich beeindruckend und ich ließ es mir auch nicht nehmen ein Stück vom Uluru abzubrechen und einzustecken. Übrigens, wer den Uluru erkunden will, sollte sich unbedingt ein Fliegennetz besorgen. Frank und ich hatten somit einen ruhigen Tag, Ben und Dirk waren, besonders Ben, am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

DSC07569 (Small)Leider konnten wir nicht auf den Uluru raufkrabbeln, da wir zu spät dran waren und der Aufstieg nach 8 Uhr morgens gespeert wird, aufgrund von Hitze und jeder Menge Leute die in der Vergangenheit mit Wucht auf dem Boden aufgeschlagen sind. Weiter ging es dann zum gut 300 Kilometer entfernten Kings Canyon. Auf dem Weg hat es wieder angefangen zu regnen und wir kamen in den Genuss den Canyon im verregneten Sonnenuntergang zu bestaunen. Da es für die große Tour zu spät war, gings erstmal auf den völlig überteuerten und schlecht ausgestatteten Campingplatz gleich nebenan. Das Highlight waren die Dingos, die auf der Suche nach einem Fresschen auf dem Campingplatz herumschlichen. Übrigens, die Instant-Nudeln, die ich mir warm machte waren seid 2 Jahren abgelaufen. Eine Besonderheit in Australien, hier muss man höllisch aufpassen, wenn man reduzierte Ware kauft, sie könnte schon nicht mehr in ihrer ursprünglich gewollten Form existieren. Ohne Bauchschmerzen ging es am nächsten Morgen zum Canyon und wir liefen, kletterten und staunten uns einmal um den wunderschönen Kings Canyon und wir beschlossen, dass das unser Highlight auf unserem Trip war. Nachmittags fuhren wir die restlichen 400 oder so Kilometer nach Alice Springs. Wir fanden ein nettes Hostel für 22 Dollar. Abends gabs selbstgemachte Burger, Frank und ich leisteten uns sogar ein Bierchen (Oettinger). Am nächsten Tag wurde stramm durch die Stadt marschiert und über den vollen Fluss und die teils überfluteten, den Fluss kreuzenden Straßen gestaunt. Viel hat Alice ja dann doch nicht zu bieten, sodass es dann am späten Nachmittag direkt wieder Richtung Adelaide ging.

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See Ya!

Fotos Alice Springs

Adelaide – Alice Springs – Sydney

04. März 2010

Hey Ihrs,

wie angekündigt hats mich letztens an den Uluru verschlagen. Da ich grade keine Lust habe viel zu schreiben, lass ich einfach mal Fotos sprechen.

Fotos – Fringe Festival Adelaide

Fotos – Alice Springs

So, danach gings für mich und mein Auto zurück nach Sydney. Soviel kann ich sagen, angekommen sind wir beide. Mein Auto hat es nicht so gut überstanden. Mal abgesehen davon, dass ich schon nach dem ersten Stopp, 200 Kilometer hinter Adelaide nicht mehr vorwärts gekommen bin, es irgendwie am nächsten Tag geschafft habe zum nächsten Mechaniker zu gelangen (150 Kilometer weiter), der mir den Riemen an der Lichtmaschine festgezogen hatte (40 Dollar, Sonderangebot), hab ich heute früh beim Losfahren ein grässliches Geräusch im Motorraum festgestellt. Jedenfalls hab ich mich nach Sydney geschleppt, einen Mechaniker gefunden, der nur meinte 1500 Dollar Reparatur oder neuer (alter) Motor für das gleiche. Okay. Verkaufen hat sich somit erledigt. Jetzt steh ich vor der Aufgabe entweder die Schrottkarre an den nächsten Verwerter zu verticken oder irgendwoher nen Motor aufzutreiben und hoffen das ich das Auto dann verkaufen kann.

Nachher treff ich mich mit der Dänin Maria, die ich in Adelaide kennengelernt hab.

Das waren die neuesten Nachrichten, bis denne!

Adelaide, meine Perle.

03. März 2010

Hey! Wieder ist ganz schön viel Zeit vergangen und viel ist passiert, jedenfalls bei mir.

Nach insgesamt 4 Arbeitstagen und 200 verdienten Dollars pro Person verließen wir Waikerie und machten uns auf nach Adelaide. Jedoch aus verschiedenen Gründen. Ich hatte vor in Adelaide mein Licht reparieren zu lassen, die anderen wollten sich in den Weinregionen nach Arbeit umschauen. Warum ich nicht? Weil ich kein Bock mehr hab meine Zeit in Australien mit sinnloser Arbeitssuche zu vergeuden und endlich mal was von meinem Trip haben wollte. Diese Einstellung ist zwar ganz schön teuer aber ich bin nur einmal hier. So verabschiedeten wir uns voneinander auf dem McDonalds Parkplatz in Adelaide und gingen (vorerst) getrennte Wege. Ich buchte mich erstmal in das Sunnys Backpacker ein, da ich wusste, dass der gute Pietro ebenfalls dort nächtigte. Die anderen (Frank, Guddl, Joachim, Inga und Kathrin ) machten sich auf den Weg ins McLaren Vale.  Dekadenterweise hatte ich einen eigenen Parkplatz am Hostel, was das Sunnys in meinem Ranking mal gleich ganz nach oben schob. Endlich keine stressige Parkplatzsuche mehr! Nachdem mich die überaus nette Romy empfangen hatte und mir die, na ich sag mal, Hausmutti Denise das Bett machte, gönnte ich mir den mir bekannten Foodcourt in Chinatown, in dem man seinen Teller für 6,50 Dollar so voll machen kann wie man will. Mit leichten Bauchschmerzen traf ich Pietro dann im Hostel wieder. Kein bisschen verändert, muss ich erstmal eine Runde Poker mitspielen. Bin mal wieder ziemlich früh ausgeschieden. Er hat immernoch seinen Job, hat aber ein paar Stunden zusätzlich bekommen, was gut für ihn ist. Unser Zimmer stank nach alten Socken, war aber recht kühl und ruhig. Weil wir uns so sehr über unser Wiedersehen freuten wurde erstmal Bier gekauft und Abends wurde sich dann draußen am Hostel zusammengesetzt und geschnakt. Dann bekam ich einen Anruf von Kathrin, dass alle außer Frank, nach Adelaide zurückkehren, da sich das mit dem Job erledigt hatte. So kam es zu einem frühen Wiedersehen. Auch der gute Mark aus Brisbane besuchte uns am Hostel. Schon seltsam wie am Ende doch wieder alle Fäden zusammenlaufen. So saßen nun Pietro, Kathrin, die Leute aus Waikerie, Mark, ich und neue Menschen vom Hostel zusammen und verbrachten den Abend. Mit den  neuen Menschen sollte sich dann auch der nächste Trip für mich ergeben, aber dazu später mehr.

Am nächsten Tag Ließ ich erst Dirk mein Auto begutachten, der konnte am Licht nix machen, erklärte mir allerdings was alles so an meinem Auto kaputt ist (Ventile, Kupplung,…). Danke. Als nächstes machte sich Mark auf den Fehler in der Lichtanlage zu finden. Als auch er nichts fand ging es zur Werkstatt, die mir einen Termin für den nächsten Tag gab.

Dann bekam ich den Anfall mein Auto noch schnell zum Verkauf anzubieten, was bei den niedrigen Preisen in Adelaide ziemlich unmöglich schien. Also verteilte ich Anzeigen in den ganzen Hostels und wen traf ich da? Frank. Er hat zwar einen Traktorfahrer-Job sicher, jedoch fängt dieser erst in 2 Wochen an. So ganz alleine schien es, als ob nicht alles in feierlicher Bruderschaftlichkeit zwischen ihm und den anderen 4 auseinander gegangen ist. Er fragte ob ich immernoch vorhab nach Alice Springs zu fahren, und ich sagte ich sei nicht sicher und dass ich meine Karre verkaufen wolle. Er hat vor seine 2 Wochen zu nutzen und sich den Uluru anzuschauen.  So kam mir der Gedanke mein Auto hier zu lassen und bei ihm einfach mit ins Auto zu steigen.

Abends wurde sich wieder zusammengesetzt, diesmal war Frank auch dabei. Am nächsten Tag ließ ich dann das verdammte Auto reparieren, was 300 Dollares aus meinem Portmonaie saugte. Immerhin gings dann mit Licht zurück in die City.

Am nächsten Morgen wurde dann früh um sechs aufgestanden und Italien gegen Deutschland aka Florenz gegen Bayern in der Champions League geschaut. War für Pietro und mich natürlich Pflichtprogramm.

Dann ist zur Zeit das Fringe Festival in der Stadt, was nichts anderes heißt als 30 Tage immer irgendwelche Live Bands und Veranstaltungen. Ganz schön nice! So gings dann abends mit Frank, Dirk, der lieblichen Romy, Ben (schläft in meinem Zimmer) und ein paar anderen auf zum Festival. Ich sag nur eines, lange nicht mehr so einigen lustigen Weggeh-Abend erlebt, was nicht unbedingt am Festival lag.

Na auf jeden Fall stieß sich der Dirk (32, Labertasche), auf dem Hinweg, wie auch immer, seinen Zeh beim Pissen gehen so derb, dass wir ihn erstmal zum Erste-Hilfe-Zelt brachten. Er nahms mit Humor, immer drauf bedacht alles weibliche in seiner Nähe vollzuquasseln. Mit frischem Verband gings dann zur Liveband. War wirklich nett, aber der aufkommende Staub, der verschuldet wurde durch die tausenden Leute und Adelaides Wüstendasein, zogen wir wieder Leine, um uns was zu trinken zu besorgen. Da trafen wir auch die Kathrin, mit dem Schweden Joachim wieder, die uns dann begleiteten. Also bahnten wir uns den Weg durch die Rundle Street auf der Suche nach einem Liquor Store. Als wir die Straße zwischen Rundle Street und Rundle Mall überquert hatten, sah ich, als ich mich umdrehte um nach den anderen zu schauen, wie der Dirk in Zeitlupe über den minimalen Bordstein auf Höhe der Fußgängerampel stolpert und vornüber kippt. Als wenn er versuchen wollte gen Mekka zu beten, näherte sich sein Kopf dem harten Betonboden. Jedoch stoppte er diesen nicht, sondern ließ seinen Kopf mit ziemlicher Wucht aufschlagen, was sich direkt mit einer dicken, roten Beule rächte. Zuerst kamen die Sorgen, dann die Beruhigung, dann die Scherze, die bis heute anhalten. Mach uns heut bloß nicht den Dirk!;) Man muss aber sagen, dass wir das nur machen können, weil er seine Tolpatschigkeit mit grandiosem Humor nahm. Der Abend endete an unserem Hostel, für die meisten, nicht für Romy, Frank und mich. Wir machten Bekanntschaft mit einer Adelaider Lesbe, die uns direkt mit in einen Gay Club zerrte. War jetzt nicht so krass wie gedacht, es war eher ganz süß. So hatten wir keine Hemmungen das Tanzbein zu schwingen. So um sechs in der Früh, gings dann zurück und nur Romy und ich blieben übrig. Wir kamen auf die Idee uns Harry Potter reinzuziehen, war nix anderes da. So war ich bis halb zehn morgens wach, Romy hat geschummelt und ist eingeschlafen. Aber da war ja noch was. Genau! in 2 Stunden gehts mit Frank, Dirk und Ben auf nach Alice Springs!

Alles darüber im nächsten Beitrag!

Waikerie

10. Februar 2010

09.02.2010

So hier mal ein kurzes Update.

Nachdem der gute Pietro uns (vorerst) verlassen hat, versuchen Kathrin und ich unser Glück immer noch beim Orangen ernten. Wir sind in der Zwischenzeit vom Campingplatz rüber auf ein Schiff, welches fest vor Anker auf dem Murray River auf der anderen Straßenseite liegt. Wir haben zu zweit einen eigenes Zimmer und bezahlen das gleiche, als wenn wir drüben im Auto schlafen würden. (10 Dollar pro Person und Nacht). Genial! Besonders wenn man die derzeitigen Temperaturen bedenkt. Heute hatten wir gut über 40 Grad und eine richtig miese Sonne. Da tut die natürliche Wasserkühlung unten im Schiff schon ganz gut. Die letzten drei Tage haben wir versucht das beste aus der Arbeit zu machen. Gestern waren wir ganz gut und haben 5 Bins gepackt, den Tag davor nur 2 wegen kahler Bäume, heute nur 3 wegen des ultraharten Wetters.

Mein Auto hat immer noch kein Licht, so ist es für uns jedesmal ein Abenteuer im Dunkeln zur Arbeit zu finden. Heute war ich in einer Mitsubishi Werkstatt. Die meinten es liegt am Schalter und vielleicht noch ein paar Probleme mit der Erdung. Den Schalter gibt es aber nirgends vorrätig, so kann man nur hoffen, dass man ihn mal irgendwo auftreiben kann. Schalter allein würde neu 140 Dollar kosten plus 100 Einbau plus Erdungsprobleme fixen, dabei ist er sich aber nicht so ganz sicher ob das Problem dann gelöst ist. Gut, muss ich wohl auf dem nächsten Trip die ganzen Autoverwerter (Wreckers) abklappern, oder zu nem Autoelektriker gehen. Solange der Motor läuft…

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Gestern musste ich mal wieder pusten. Ich komme nun schon auf 5 Kontrollen. 3 mal nicht angeschnallt, 2 mal Alkoholtest. Ob das am Auto liegt oder daran das ich immer versuche so freundlich wie möglich zu den Sonnenbebrillten, Cowboyhut und Colt tragenden Polizisten rüber zu lächeln? Das letzte Mal war es vielleicht etwas übertrieben, deswegen wohl der extra Drogentest neben dem Pusten. Das einzige Problem war mein Führerschein, den ich auf dem Schiff vergessen hatte.
In der Bibliothek gibts freies W-LAN 7 Tage die Woche 24 Stunden, hört sich gut an, ist aber auf 30 MB Traffic beschränkt,…, ist aber trotzdem gut. Nur mal so nebenbei. Ansonsten gibts auf der Toilette auf dem Campingplatz jede Menge Redback Spinnen, wie auf den letzten Fotos zu sehen ist. Nach anfänglichen Ängsten (die zweitgefährlichste Spinne Australiens) hat man sich schon gut angefreundet. 5 friedlich dahin existierende Redbacks suchen auch nur Anschluss. Ansonsten ist der Campingplatz, zur Erklärung, der Campingplatz und das Schiff gehören zusammen, bevölkert mit Deutschen und Franzosen und einem Schweden, 2 Asiaten (einer ganz dünn und klein, der andere groß und dick, beide können oder wollen?? anscheinend nicht sprechen und es gibt immer Reis zu essen (nicht so ungewöhnlich)) und ein paar Briten. Ich glaub der Satz war zu lang.

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Man trifft sich zum Kochen, was etwas kompliziert ist, da nur eine einzige Herdplatte funktioniert. Man arrangiert sich. Man unterhält sich, man geht sich abkühlen im Pool. Alle sind etwas angepisst wegen der sich nicht lohnenden Arbeit. Manche sind nur hier, damit sie sich ein zweites Visa beantragen können, ein Päärchen ist sogar hier um Geld zu machen indem sie 6 bis 10 Bins am Tag schaffen. Unreal. Am letzten Freitag wurden alle arbeitswilligen Backpacker versetzt, sodass wir allesamt beschlossen am nächsten Tag die Farmer zu versetzten. So gab es am Abend eine nette Party auf dem obersten Deck des Schiffes. Ansonsten haben mir ein paar Deutsche, die schon frustriert abgefahren sind, einen ganzen Haufen Filme auf meine Platte geschoben, sodass Kathrin und ich uns fast täglich ein Filmchen gönnen können.

Beschlossen morgen einen Tag Pause zu machen, wird jetzt erstmal ordentlich gechillt. Kathrin ist bereits im Land der Träume, ich zieh mir die zweite Hälfte von Stirb Langsam 4 rein, die ich gestern, wegen Ausgelaugtheit nicht mehr schauen konnte.

Übrigens hab ich von einem Polizisten ein neuen Aussie-Slang-Ausdruck aufgegriffen: No Troubles!

Man liest sich!

On the Road to Adelaide

04. Februar 2010

30.12.2009 – 04.02.2010

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Hey meine Lieben!!

Wie gehts?? Will Kommentare sehen! Lang her seit meinem letzten Artikel. Ich war viel unterwegs und bin schließlich in Adelaide gelandet. Die Vorgeschichte. Mein letzter Beitrag ist vom 29. Dezember, also fang ich mal mit Sylvester, oder wie man hier dazu sagt, New Years Eve, an. Man lang her… Ich sag nur es war voll. Kathrin, Marco und meine Herrlichkeit trafen uns mit den Italienern Pietro, Carlo, Marco und Tommi im Circular Quay, mit der Absicht uns ins Gedränge rund um die Oper zu mischen. Vollgepackt mit Alkohol standen wir vor 2 Problemen. Alkohol verboten und um 4 war die Oper und alles rundherum dicht. Wir begaben uns kurzentschlossen und leicht angetrunken in die Fähre zur anderen Seite des Flusses und fanden den perfekten Platz. Eine Wiese mit Platz zum hinsetzen ziemlich nah an der beeindruckenden Harbour Bridge. Der Rest ist nicht weiter erwähnenswert, da man sich vorstellen kann was man so macht wenn man 7 Stunden aufs Feuerwerk wartet. Wir tranken, lachten, bestaunten das kleine Feuerwerk um 21 Uhr, reihten uns in die unendlich langen Schlangen vor den Dixies ein und tranken und lachten weiter. Dann kam das Feuerwerk und wir sangen und tanzten alle zusammen, begossen uns mit unserem übrigen Wein und dachten uns, so superkrass war das Feuerwerk jetzt aber auch nicht wie alle erwartet hatten. Aber das war wirklich nur nebensächlich. Danach bewegte sich die Masse Richtung Innenstadt und wir folgten. Dort sah es aus wie bei uns zur Weltmeisterschaft. Ich traf noch kurz meine Franzosen im Hyde Park und die Italiener verabschiedeten sich in Richtung Clubs in Kings Cross.

Am nächsten Morgen war es dann 2010 und ich hatte keinen Kater! Ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Einerseits hatte ich ein Probearbeiten am 4. Januar als Umzugsmensch, andererseits hatten Pietro und ich die Idee, zusammen nach Brisbane zu fahren und die Farmen abzuklappern. Ich entschied mich für Letzteres. Und so gebaben wir uns am 5. Januar auf die Reise, allerdings kurz entschlossen Richtung Süden und nicht Norden, also Brisbane. Zuvor hab ich mir noch nen neuen Reifen aufziehen lassen, was mit 100 Dollar erstaunlich günstig war und zusammen mit den Italienern in Ihrem Apartment zum Abschied nochmal lecker gekocht. Am morgen danach gings dann los mit einiger Verspätung. Pietro hatte sich ein paar Tage zuvor einen tiefen Schnitt im Fuß zugezogen, welcher darauf etwas anschwoll. So gings dann erstmal zum Arzt. 4 Uhr Nachmittags verließen wir dann Sydney und fuhren südwärts entlang der Küste.

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Als sich die ersten Strände und Küstenlandschaften vor uns erstreckten, wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war Sydney zu verlassen. Nach ca. 150 Kilometern passierten wir das kleine Coledale und sahen ein Schild mit der Aufschrift “Poker tonight”. Das konnten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen und so mischten wir uns unter die Spielenden. Der Einsatz war mit 5 Dollar erfreulich gering und so war es auch kein Beinbruch als wir fast zeitgleich nach einer Stunde ausschieden. Draußen wurde es dunkel und als wir weiterfahren wollten verließen uns die Scheinwerfer meines Pajero. So verbrachten wir die Nacht auf einem Parkplatz direkt am Strand in Coledale.

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Wir kochten, oder besser gesagt Pietro kochte was leckeres zu essen und dann kam uns plötzlich ein Hund entgegen. Ein kleiner Bullterrier, der gleiche wie auf der Farm, aber etwas größer und durchaus noch respekteinflößender. Irgendwie machte die kleine Killermaschine einen verlorenen Eindruck. Wir beschäftigten uns den ganzen Abend mit ihm und irgendwann kam uns der Gedanke, falls der Kleine wirklich Herrenlos war, warum können wir ihn dann nicht mitnehmen. So ein kleiner Travelmate wär doch was schönes. Wenn dir einer dumm kommt, brauchst du bloß aufzupassen, das der Kleine keine Spuren hinterlässt. Außerdem ist so ein Hund natürlich auch in vielen anderen Dingen eine Bereicherung. Wir dachten nach und beschlossen schlafen zu gehen und den Morgen abzuwarten, ob er dann immernoch da ist. So musste ich den Kleinen aufwecken und aus dem Auto bitten. Nach dem Frühstück am nächsten Tag und nach einer kleinen Plauderei mit einem Mann, der uns eine Werkstatt empfahl, kam uns etwas kleines, aber gewichtig aussehendes Etwas entgegen. Unser Freund war zurück, etwas schmutzig und zerknittert, aber spielwütig wie eh und jeh. Nach Momenten der Freude kehrte dann doch die Vernunft zurück und wir beschlossen ihn dort zulassen. Nicht das es schon schwierig gewesen wäre Platz im Auto für ihn zu schaffen, aber der Gedanke das wir den Ausreißer von einer Familie entführen war dann doch zuviel.

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Weiter gings mit einem kurzen Abstecher ins Kangaroo Valley. War nicht so spannend, klingt aber gut. Wir fuhren weiter südwärts bis wir in Ulladulla einen perfekten Schlafplatz fanden. Wieder direkt am Strand, diesmal aber mit mehr Komfort. BBQ, Toiletten, anderen Reisenden und sogar Duschen. Perfekt, und alles for free! Das war uns dann sogar 2 Nächte wert.

Immer auf der Suche nach einem neuen Relais für die Scheinwerfer, arbeiteten wir uns weiter südwärts. Vorbei am traumhaft schönen Mysterie Bay, an dem wir eine Pause zum Mittagessen und Schwimmen einlegten, weiter zu den Mimosa Rocks, wo wir notgedrungen wegen Dunkelheit nächtigen mussten. Was nicht heißt, dass dies kein schöner Ort war. Hart keine schönen Orte zu finden an Küstennähe in Australien. Unser Relais haben wir unterwegs ersetzen können. Nachdem eine Werkstatt 200 Dollar zum Nachbauen haben wollte und Mitsubishi 3 Wochen veranschlagte um das Teil von Japan zu importieren, fanden wir einen Autoverwerter der uns das Relais einfach in die Hand drückte. Leider wurde das Problem dadurch nicht gelöst. Am nächsten Tag verschlug es uns nach Tathra, ein kleines Nest mit schönem Strand, unser letzter Tag an der Ostküste. Nun ging es über die Snowy Mountains.

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Okay, es liegt kein Schnee im Sommer, sieht aber trotzdem nett aus. Kurzzeitig hatten wir ein bisschen Angst um mein Auto, da es schon ziemlich steil bergauf ging und der alte Junge doch etwas heiß lief. Nachdem wir die Steigungen überwunden hatten arbeiteten wir uns entlang der wunderschönen Berge, inklusive dem höchsten Berg Australiens, weiter durch die Stadt Cooma bis auf die andere Seite des Gebirges. Nun ging es bergab und diesmal hatte ich mehr Angst um die Bremsen. 2 Stunden vor Sonnenuntergang fanden wir einen kostenlosen Campingplatz namens Geeki, direkt an einem Bergfluss. So nice. Wir kühlten uns im kalten klaren Wasser ab, kochten Abendessen und konnten sogar ein paar Känguhrus beobachten. Im Waschbecken hab ich eine verendete Spinne gefunden und direkt mit zu meiner Trophähensammlung gesteckt. Gott, ich bin geheilt! Den nächsten Tag haben wir hauptsächlich mit Autofahren verbracht. Es ging ca. 400 Kilometer weiter über das Hochland, vorbei am höchstgelegenen Dorf Australiens. Das Gebirge hinter uns gelassen, näherten wir uns unserem Ziel, Shepparton. Die erste Farm, die uns dort begegnete, beglückten wir gleich mit unserem deutsch – italienischem Charme. Wir fragten erfolglos nach Arbeit, konnten uns aber gut mit den Arbeitern dort unterhalten. Beide sind vor einigen Jahren aus Bayern nach Australien gekommen (ich hab das Gefühl das die meisten Deutsch-Australier ursprünglich aus Bayern stammen – warum nur??) und arbeiten hier auf der Farm eines Inders. Die Beiden empfahlen uns einen Ort zum kostenfreien nächtigen, den wir dann auch direkt ansteuerten. Nach einiger Suche verschlug es uns an den Murray River, der die Grenze zwischen NSW und Victoria markiert. Dort gab es jede Menge Gleichgesinnter und die Möglichkeit im seltsam bräunlichen Wasser des Flusses zu baden. Beim Abendessen vernahmen wir plötzlich ein gewaltiges, krachendes Geräusch unweit von uns entfernt. Dort ist mal eben ein mächtiger Teil eines Baumes abgebrochen und auf unseren Parkplatz gefallen. Ich denke das dies aus der extremen Trockenheit in diesem Gebiet resultiert. Tagsüber brennt dir der Fahrtwind bei 45 Grad im Schatten wie ein heißer Föhn im Gesicht und du überlegst dir dreimal eine zu rauchen, wenn die Schilder, die die Feuergefahr anzeigen auf “extrem” stehen. Nachts konnten wir dann wegen der anhaltenden Hitze kaum schlafen.

Frühmorgens machten wir uns auf einen Job zu finden. Wir fuhren die Straßen auf und ab, hielten an allen vielversprechenden Farmen an und erkundigten uns nach Erntejobs. Leider hieß die Antwort immer, Pfirsiche sind geerntet und Birnenernte fängt erst in 2 Wochen an. Wir machten uns auf nach Melbourne. Nur 2 Stunden später waren wir dort.

Bewölkt und 20 Grad weniger auf dem Thermosmeter klapperten wir unter dem Druck der untergehenden Sonne so viele Hostels wie möglich ab. Keines hatte auch nur ein freies Bett. So suchten wir in Strandnähe nach einem geeigneten Parkplatz. Man könnte sagen wir hatten ein Schweineglück im Unglück. Wir fanden einen Parkplatz, zwar direkt an der Hauptstraße in der Stadt, aber nur 50 Meter zum Wasser. Als wir aus dem Wagen stiegen erblickten wir öffentliche Toiletten auf der anderen Straßenseite und eine Stranddusche auf der Strandpromenade. Verzweifelt vor Stinken schnappten wir uns Handtuch und Duschbad und duschten uns in aller Öffentlichkeit und zudem im Regen. Ich hoffe die Passanten fanden das genauso lustig wie wir. Am nächsten Morgen verschafften wir uns dann endlich 2 Betten in einem Hostel. Nach einigem hin und her und der Feststellung, dass es in Melbourne teuer ist und es verdammt schwierig ist einen kostenlosen Parkplatz zum Unterbringen des Autos zu finden, einigten wir uns auf Adelaide als unser nächstes Ziel. Am Abend erkundeten wir die Stadt etwas, spielten Poker in einer Bar und parkten das Auto um, indem Pietro ohne Führerschein und natürlich ohne Licht rückwärts über die sechsspurige Straße fuhr, um dann Blitzschnell in einer Seitenstraße zu verschwinden.

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Am nächsten morgen beglückten wir die Great Ocean Road. Wir machten uns auf einen 4 tägigen Marathon ins heiße Adelaide. Auf dem Weg kamen uns die 12 Apostel entgegen. Nach zwei Tagen trafen wir Kathrin und Marco wieder, die sich im gemieteten Van ebenfalls der Great Ocean Road annahmen, sich jedoch schon wieder auf dem Rückweg nach Melbourne gemacht hatten. Ein schönes Gefühl soweit entfernt vom letzten Treff (Sydney) bekannte Gesichter zu erblicken. Wegen schlechten Wetters erreichten wir Adelaide schon einen Tag früher als geplant. Da wir unser Hostel in Adelaide erst für den nächsten Tag gebucht hatten, verbrachten wir die Nacht 40 Kilometer außerhalb des Zentrums am Maslin Beach. Der Strand dort war ebenso gigantisch, wie der Ausblick atemberaubend. Jedoch war es ziemlich windig und so machten wir uns am nächsten Tag zeitig auf zum Hostel. Die Kiwi Lodge, so der Name, sollte für uns ein ganz spezielles Hostel werden.

In dem seltsamen Mix aus Motel und Hostel schliefen wir in einem 7 Bett Zimmer. Die Nächte waren verdammt kurz, da das einzige Fenster zur Straße öffnete. Diese Straße kann man mit dem Trubel in Kings Cross vergleichen. Party und Schreihälse jede Nacht. Die Leute, die wir in dem Hostel kennen lernten waren,ich sag mal, nicht unsere Altersgruppe. Da war Chris. Ich schätze ihn auf verbrauchte 45 Jahre. Ein wirklich seltsamer, gesprächiger Typ. Sein Gesicht geprägt von Narben und tiefen Falten erzählt von einem wilden Leben. Er selbst meint, er reist seit Monaten herum und muss nicht arbeiten, da er Geld von früheren Tätigkeiten übrig hat. Später erzählte er von Drogengeschäften, bei denen er Millionen verdient hatte. Irgendwann hat er die Nase voll vom vielen Geld gehabt und begann sein Land zu erkunden. Je mehr Tage vergingen, desto verwirrter schien er. Einen Tag bevor er das Hostel verließ schrieb er uns kurioserweise seine Führerscheinnummer und die Telefonnummer seiner Mutter auf, falls wir nicht doch mal Lust haben Geld zu verdienen und ein paar Kilo Koks in Europa zu verticken. Falls etwas schief läuft sollen wir doch einfach irgendwem seine Führerscheinnummer durchsagen und derjenige boxt uns dann raus. Genauso wie seine anderen Kumpels, die komischerweise aber alle im Knast sitzen oder saßen. Mal davon abgesehen war Chris ein hilfsbereiter und irgendwie herzenswarmer Mensch, den die Einsamkeit zu schaffen machte. Denk ich jedenfalls, seitdem ich ihn desöfteren allein und vor sich her flüsternd nachts vorm Fernseher sah. Chris, ich wünsch dir alles Gute. Eine weitere spezielle Persönlichkeit ist Allen. Er ist 57 Jahre alt, wirkt mit Vollbart und kleiner Statur wie der Lieblingsonkel eines jeden Neffen. Er hat 34 Jahre als Krankenschwester in der Abteilung für psychisch Kranke gearbeitet und ziemlich viel Elend gesehen. Am Ende wurde er aus seinem Job geworfen, weil er wohl irgendwas in seinem Krankenhaus aufdecken wollte. Mit ihm war es meistens spannend sich zu unterhalten. Dank seines kleinen Alkoholproblems haben wir uns einmal mittags im naheliegenden Pub ein paar Bierchen gegönnt und über die Welt, die korrupte Gesellschaft und Frauen unterhalten. Wirklich nett. Ich glaube Allen ist ein guter Mensch, der im Herzen sehr jung geblieben ist, der jedoch auch von seiner Vergangenheit dahingerafft wurde. Take care, Allen. Da war noch Heike, eine in die Jahre gekommene Ex-Bayerin. Auch ihr Leben scheint etwas aus den Fugen geraten. Lebt sie seit Monaten mit ihrem Mann in dem Hostel in einem fensterlosen Zweibettzimmer. Ihr Mann, ein IT-Spezi, ist schon ewig auf der Suche nach Arbeit in seiner Branche, aber irgendwie hatte ich das Gefühl die Hoffnung hatte ihn schon längst verlassen und die deprimierte und pessimistische Stimmung trug er über seine Frau nach Außen. Er selber war nie außerhalb seines Raumes, in den man von der Treppe im Flur aus hineinschauen konnte. Kopf hoch ihr Beiden! Da war dann noch Chris, ein deutscher aus dem Pott und eine deutsch-sprechende Italienerin, deren Namen ich mir einfach nicht merken konnte. Er arbeitet seit 6 Jahren bei der Spaßkasse und wollte sich nun mal eine 6 monatige Auszeit nehmen. Er ist 22 Jahre alt. Die Beiden lernten sich in Sydney kennen und reisten seitdem zusammen. Anfangs dachte ich nicht so gut über ihn, da er leicht arrogant, wie mir schien, über unser liebgewonnenes Hostel hergezogen ist. Durch seine offene, lustige Art hatten wir dann doch alle zusammen ein paar schöne Tage. Und da war noch Mark. Mark ist 28. Er stammt aus Brisbane und alles war auch gut für ihn. Dann schlief seine damalige Freundin mit seinem besten Freund und er musste raus aus Brisbane, raus aus Queensland. So trafen wir ihn dort im Hostel. Er kommt aus der Bar und Restaurant Szene und arbeitet jetzt als Koch in einem Restaurant in Adelaide. Zum Australia Day präsentierte er uns seine Kochkünste und bereitete marinierte Shrimps, Bouletten und Steaks vor. Diese wurden dann beim BBQ am Strand in Adelaide verputzt. Nach 3 Tagen in der Kiwi Lodge kam dann Kathrin zu uns. Ich holte sie vom Busbahnhof ab und brachte sie zum Hostel. Nach nunmehr 5 Wochen waren wir dann wieder alle 3 zusammen.

Und so vergingen die Tage. Ich ging zweimal mit Pietro ins Casino. Ich konnte mich nie wieder überwinden zu spielen, Pietro verlor alles. Samstags haben wir dann einen drauf gemacht, sind in der Woche ab und zu an Adelaids Strände. Kathrin und ich sind desöfteren los und haben Bewerbungen verteilt, Pietro ging 3 mal die Woche seiner Arbeit als Küchengehilfe nach. Ich verbrachte einen tollen Tag mit Maria, einer Dänin, die ich in der Lobby vom Hostel kennen lernte. Wir spazierten durch den Botanischen Garten, durch China Town und schauten uns “It’s Complicated” im Kino an, was schmerzte, da ich natürlich einlud. Leider musste sie einen Tag später weiter Richtung Perth.

Als dann das Big Day Out Festival in die Stadt kam waren unsere Betten dann ausgebucht und wir mussten das Hostel verlassen. Wir machten uns auf ein paar Tage kostenlos am Strand zu campen. Einmal wurden wir geweckt und sollten Bußgeld bezahlen, doch Pietro hatte sich eine nette Story bereitgelegt und so hieß es nur “no worries”.

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Eines Morgens bei McDoof im Internet stieß ich auf eine Anzeige, die zum Orangen Picken in Waikerie aufrief. Wir beraten uns und beschlossen es zu versuchen. Vorher mussten wir nochmal zum Hostel, da Pietro seinen Mp3-Player dort vergessen hatte. Die Rezeptionistin erzählte von Jobs in einer Fleisch Produktion. Dort sollte es reichlich Arbeit als Cow-Killer, Zerstückler und Packer geben. So ging es dann als erstes nach Murray Bridge zur Fleischfabrik. Es gab reichlich Jobs, nur nicht für Backpacker. Eigentlich war ich ganz roh, äh, froh hier wieder die Fliege zu machen. Dann ging es nach Waikerie. Ein kleines Nest mit einem Supermarkt, einer Tankstelle, einem Campingplatz und einer Bushaltestelle. Wir machten uns auf den unverschämt teuren Campingplatz. Wir schlossen gleich Bekanntschaft mit ein paar Leuten, die ebenfalls zum Orangen Picken verdammt sind. Netterweise werden wir jetzt immer von Flo, einem netten deutschen Backpacker, morgens zur Farm geleitet, da wir ohne funktionierendes Licht halb sechs Uhr morgens aufgeschmissen sind. Leider ist auch diese Arbeit sehr enttäuschend. Man bekommt oftmals schlecht bestückte Bäume vorgesetzt, bei denen man dreimal solange braucht einen Bin zu befüllen wie mit normalen “guten” Bäumen. So quälten wir uns zu dritt am ersten Tag auf 5 Bins á 25 Dollar. Macht 125 Dollar minus Steuern, also um die 110 Dollar durch drei. Macht einen Stundenlohn von gut 4 Dollar. Geht das nur mir so oder kann man sich hier wie ein ausgebeuteter Backpacker fühlen. Langsam fang ich an dieses Arbeitssystem in Australien zu hassen. Es gibt soviele Backpacker die um Arbeit betteln, inklusive uns, dass die Farmer bloß eine Anzeige im Internet schalten müssen und alle rennen notgedrungen hin und stellen nach 1 Tag fest, dass diese Arbeit völlig sinnlos ist und hauen wieder ab. Pietro ist nach dem ersten Tag wieder nach Adelaide zurück, wo er in seinem 15 Wochenstunden-Job mehr verdient als hier bei 60 Stunden. Kathrin und ich haben leider nicht das Privileg einer anderen Arbeit und werden uns noch bis nächste Woche weiterquälen. Gestern haben wir zu zweit 4,5 Bins geschafft und unseren Stundenlohn auf ca. 6-7 Dollar geschraubt. Wenn man bedenkt das wir auf eine Farm 30 Kilometer entfernt geschleppt wurden und mein Auto nunmal Benzin liebt, fällt der Stundenlohn dann doch wieder auf 5-6 Dollar. Heute hat es geregnet und wir entschieden 5:30 Uhr morgens, bereit zum Arbeiten, lieber hier zu bleiben und schliefen bis 2 Uhr Nachmittags. Nun hocke ich in der Bibliothek von Waikerie und hoffe das mein Limit von 30 Megabyte (!) ausreicht um diesen Beitrag online zu stellen. Also machts gut und lasst euch nicht vom kalten Wetter ärgern. Ich hoffe der nächste Beitrag lässt nicht so lang auf sich warten.

Bis dann!!

Fotos:

NYE

Sydney – Melbourne

Melbourne – Adelaide

Adelaide

Waikerie – Orange Picking

Weihnachtszeit

29. Dezember 2009

Gruß aus Sydney!

Hier alles was in den Tagen seit dem letzten Eintrag passiert ist, oder fast alles.

Die ersten 6 Tage wohnte ich mit Kathrin im Hostel. Verbrachten die Tage mit Rauchen auf unserem eigenen Balkon, feiern gehen, essen und allgemeines Abgammeln. Wir lernten Pietro kennen mit dem wir noch jetzt Kontakt halten.

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Ebenso lernten wir Paul kennen. Ein echter kanadischer Naturbursche, 150 Kilo schwer, bärtig wie der Weihnachtsmann und seid Jahren on the road. Mit 14 aus dem Elternhaus, hat in der 2. Liga American Football gespielt (was sonst wenn man so gebaut ist wie Paul), hat in der ersten probe gespielt und daran gescheitert dass die anderen etablierten Spieler noch größer und schwerer waren als er. Er hat so ziemlich alle Berge auf dem amerikanischen Kontinent bestiegen und hat selbst eine extrem harte Wanderung zu den Maya Pyramiden unternommen, was bedeutet 200 Kilometer durch den tiefsten Dschungel. Er und seine Begleiter konnten sich danach neben die anderen 500 Leuten vor ihnen ins “Gästebuch” eintragen. Danach war Montag, Kathrins Ex kam aus Deutschland. Die Beiden zogen in ein anderes Hostel und ich in meine Karre. Weihnachten war Party angesagt im Apartment der Franzosen. War nett, hab nur Französisch verstanden. Kathrin und Marco bevorzugten den Club. Am 26., Boxing Day, ging es auf Rabattjagd. Ich erkämpfte mir eine Sonnenbrille, 70 Prozent reduziert, von Morrissey. Die Folgenden Tage hat es nur geregnet. Mein Alltag besteht aus Aufstehen, 30 Minuten zu Kathrins Hostel latschen, duschen, meist bei Mcdoof oder BK essen, langweilen, zurückgehen. Achja den einen Tag hab ich sehr viel Geld im Casino verloren, nachdem ich nach einer krassen Glückssträhne einfach nicht aufhören konnte. Am Tag darauf wurde mein Handy geklaut, was mich wegen einer Verabredung, völlig nervös machte. Wenn ich denjenigen (hockt im scheiss Hostel rum) erwische, wende ich das amerikanische Gesetz für Verbrecher an. Achso und bei mir sind jetzt schon 2 Reifen im Arsch. Aber was solls. Stay positive würde Mike Skinner jetzt sagen, oder würde er sagen: Too much Brandy? Keine Ahnung, auf jeden Fall nachträglich allen schöne Weihnachten! Schaut mal am 31. ob es eine Übertragung aus Sydney gibt (2 Uhr Nachmittags bei euch).

Bis dann und so!